IGAP - Institut für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung

Dekubitus Pflege-Ratgeber

 

Dekubitusprophylaxe - Lagerungstechniken

3. Lagerung

30°-Lagerung

Die bekannteste Form ist die 30-Grad-Schräglage. Bei dieser Lagerung wird entweder die rechte oder linke Gesäß- bzw. Körperhälfte belastet. Diese Stellen eignen sich zur Druckbelastung, da sie durch die Gewebemuskulatur gut abgepolstert sind und sich keine Knochenvorsprünge darunter befinden. Diese Stellung wird mit Hilfe von zwei großen Kissen erreicht, die auf die Hälfte (Schiffchen) gefaltet werden.

Das erste wird rechts oder links der Wirbelsäule unter den Rücken gelegt, das zweite unter den entsprechenden Oberschenkel. Diese Form der Lagerung bedarf einiger Übung und Drehtechnik, sie kann jedoch schnell erlernt werden.

Abb. 6: 30°-LagerungAbb. 6: 30°-Lagerung

 

Mikrolagerung

Die Mikrolagerung kann bei allen Patienten angewendet werden, die sich nicht ausreichend selbst bewegen können und aufgrund dessen seitens der Pflege Unterstützung in Ihrer Bewegung und Mobilität bedürfen. Sie bietet die Möglichkeit, schnell und sanft Lageveränderungen durchzuführen indem der Patient nur minimal bewegt wird. Insbesondere Schmerzpatienten profitieren von dieser Lagerungsvariante. Bereits mit kleinsten Schwerpunktverlagerungen wird eine prophylaktische Wirkung erzielt. Angestrebt werden physiologische Positionsveränderungen in den Gelenken sowie unterstützende Lageveränderungen durch Druckverteilung an Kopf, Schultern, Hüfte und des Fersenbereichs.

Abb. 7: MikrolagerungAbb. 7: Mikrolagerung

Als Lagerungshilfsmittel eignen sich besonders gut Handtücher, Bettdecken (gefaltet /als Rolle) sowie Kissen. Dazu kann beispielsweise ein gefaltetes Handtuch unter der Schulter positioniert und nach kurzer Zeit unter das Becken geschoben werden. Der Einsatz von Lagerungshilfsmitteln sollte unter dem Aspekt „weniger ist mehr“ erfolgen, um negative Auswirkungen auf Bettklima und Bewegungsfreiheit des Patienten zu vermeiden.

Besteht bereits eine Druckstelle im Bereich des Steißbeins, ist auf die Rückenlage völlig zu verzichten.

Falttechniken zur Mikrolagerung

 

 

3-fach Faltung
(z.B. zur Lagerung des Schulterblatts)

 

 

Rolle
(z.B. zur Lagerung der Gesäßregion)

 

„Brezel“-Faltung
(z.B. zur Lagerung der Extremitäten)

 

135°-Lagerung

Neben den beschriebenen Formen ist auch die 135-Grad-Lagerung möglich. Sie bietet einen besonderen Vorteil bei bereits vorhandenen Druckgeschwüren im Bereich des Steißbeins. Die meisten Patienten empfinden diese Haltung als recht angenehm. Auch hier wird wiederum mit zwei Kissen gearbeitet, wobei eines unter eine Hälfte des Oberkörpers gebracht wird und das andere unter die entsprechende Hüfte und Oberschenkel.

Abb. 8: 135°-LagerungAbb. 8: 135°-Lagerung

 

Freilagerung

Gefährdete oder betroffene Körperstellen können auch durch eine Freilagerung entlastet werden. Die Fersen eignen sich besonders gut für diese Form. Als Lagerungshilfsmittel kann ein einfaches Handtuch dienen. Bei der Freilagerung ist jedoch darauf zu achten, dass man durch diese Maßnahme keine anderen Körperstellen extrem belastet bzw. einem Druck aussetzt, der die Blutzirkulation beeinträchtigt. Folglich dürfen Sitzringe aus Schaumstoff oder aus Gummi nicht eingesetzt werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass das Knie nicht überstreckt ist, was mit einer Handtuchrolle unter dem Knie leicht zu vermeiden ist.

Abb. 9: Fersen-FreilagerungAbb. 9: Fersen-Freilagerung

 

V-Lagerung

Die letzte der hier vorgestellten Möglichkeiten ist die sogenannte V-Lagerung. Sie wird bei Patienten erwogen, die bereits Hautschädigungen im Bereich der Wirbelsäule haben. Zudem wirkt die sie atemstimulierend, also außerdem als Pneumonieprophylaxe (vorbeugende Maßnahme gegen Lungenentzündungen). Benötigt werden wiederum zwei nicht zu prall gefüllte Kissen, die zu Schiffchen geformt werden. Diese werden im Bereich des Oberkörpers überlappend zu einem V geformt, dessen Spitze oberhalb des Steißbeins liegt. Diese Lagerung kann auch im Sitzen durchgeführt werden.

Abb. 10: V-LagerungAbb. 10: V-Lagerung

 

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aktualisiert: Mai 2014